Die 9 Säu­len des SDL

Das SDL steht unter einem jähr­lich wech­seln­den Fach­aspekt, der inhalt­li­che und/oder for­ma­le Impul­se bün­delt und ver­tieft. Damit trägt es ent­schei­dend zur Qua­li­fi­zie­rung des Thea­ters / Dar­stel­len­den Spiels in der Schu­le bei. Das Mot­to bil­det den Rah­men für alle Fes­ti­val­ver­an­stal­tun­gen. Die Auf­füh­run­gen wer­den mit Blick auf das Schwer­punkt­the­ma von den Landesarbeitsgemeinschaften/Landesverbänden und dem Bun­des­ver­band aus­ge­sucht; die Fach­ta­gung beleuch­tet das The­ma theo­re­tisch und reflek­tiert die Pro­duk­tio­nen pra­xis­ori­en­tiert. Die The­men­be­zo­gen­heit des SDL hat sicht­ba­re Fol­gen in den Bun­des­län­dern hin­ter­las­sen: im Vor­we­ge und im Nach­hin­ein in den Fort­bil­dungs­an­ge­bo­ten der Län­der oder als Rah­men für die Länderfestivals.

16 Thea­ter­grup­pen – jedes Bun­des­land ent­sen­det eine Grup­pe – prä­sen­tie­ren im Rah­men eines SDL ihre Pro­duk­tio­nen. Sie ste­hen im Mit­tel­punkt des Tref­fens und zei­gen das for­ma­le und inhalt­li­che Spek­trum des Schul­thea­ters. Die Grup­pen kom­men aus allen Schul­ar­ten und Schul­stu­fen, von der Pri­mar­stu­fe bis zur Sekun­dar­stu­fe II, von der Grund­schu­le bis zur Gemein­schafts­schu­le und zum Gym­na­si­um. Sie reprä­sen­tie­ren unter­schied­li­che Arbeits­kon­tex­te der Schu­len von der Thea­ter-AG über Thea­ter­klas­sen bis hin zum Kurs Thea­ter / Dar­stel­len­des Spiel.

Jedes der Fes­ti­val-The­men ver­ei­nigt Auf­füh­run­gen, die einen wesent­li­chen oder im- puls­ge­ben­den Bei­trag zum Mot­to lie­fern. Die Auf­füh­run­gen sind Anlass für die reflek­tie­ren­de the­ma­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung; sie leis­ten gleich­zei­tig den Pra­xis-Trans­fer des theo­re­ti­schen Dis­kur­ses auf die Schul­büh­ne. Erst die bewuss­te Wahr­neh­mung einer Auf­füh­rung unter dem the­ma­ti­schen Aspekt lässt unge­ahn­te Nuan­cen und Facet­ten bezüg­lich der Schwer­punkt­set­zung erkennen.

Über das Zuschauer­erleb­nis der 16 Auf­füh­run­gen hin­aus bie­tet das SDL ein viel­schich­ti­ges Dis­kus­si­ons- und Pra­xis­fo­rum für alle jun­gen und erwach­se­nen Teilnehmer*innen.

Die aus­führ­li­chen Stü­cke­be­spre­chun­gen nach den Auf­füh­run­gen haben zum Ziel, sich mit der Ent­wick­lung und dem Ergeb­nis der Pro­duk­tio­nen unter the­ma­ti­schen und for­ma­len Fra­ge­stel­lun­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die­se Nach­ge­sprä­che sind nicht nur für die Zuschauer*innen, son­dern auch für die spie­len­de Grup­pe erhel­lend. Sie bie­ten die Gele­gen­heit, das eige­ne Thea­ter­ver­ständ­nis auf den Prüf­stand zu stel­len, auf Sei­ten der Zuschauer*innen Beobachtungs‑, Refle­xi­ons- und Feed­back­fä­hig­kei­ten zu ent­wi­ckeln und bei den spie­len­den Grup­pen die Bereit­schaft zu Kri­tik und die Kom­pe­tenz, Erar­bei­te­tes zu beschrei­ben und zu ver­tei­di­gen, zu schu­len. Die Dis­kus­sio­nen wer­den in einer von Schüler*innen ver­ant­wor­te­ten Fes­ti­val­zei­tung fortgesetzt.

Die ganz­tä­gi­gen Werk­stät­ten, die eben­falls auf das The­ma bezo­gen sind, wer­den von erfah­re­nen Theaterlehrer*innen, Spielleiter*innen bzw. pro­fes­sio­nel­len Thea­ter­leu­ten gelei­tet. Hier ler­nen die Spieler*innen neue For­men des Thea­ters ken­nen. Die­se thea­ter­prak­ti­sche Fort­bil­dung hat den wich­ti­gen Effekt des gegen­sei­ti­gen Ken­nen­ler­nens. Eine thea­tra­le und kom­mu­ni­ka­ti­ve Ein­bet­tung erhält das SDL auch durch ein viel­ge­stal­ti­ges Rah­men­pro­gramm in Form einer Eröff­nungs- und Abschluss­ver­an­stal­tung sowie den abend­li­chen Fes­ten oder Lesungen.

Die in das Fes­ti­val inte­grier­te Fach­ta­gung bie­tet Lehrer*innen, Wissenschaftler*innen und Theaterpädagog*innen aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet ein Forum für Fort- und Wei­ter­bil­dung. Unter ihnen befin­det sich eine gro­ße Grup­pe von Organisator*innen von Lan­des­fes­ti­vals und regio­na­len Tref­fen, von Ver­ant­wort­li­chen für Leh­rer­fort­bil­dung in die­sem Bereich, Vor­stands­mit­glie­dern der Lan­des­ver­bän­de oder Ver­fas­sern von Fach­bei­trä­gen und ‑büchern.

In der Fach­ta­gung wird das The­ma vor dem Hin­ter­grund des theo­re­ti­schen Dis­kur­ses in der Wis­sen­schaft, der Fes­ti­val­er­geb­nis­se und der eige­nen Schul­thea­ter­pra­xis der

Betei­lig­ten ent­fal­tet und ent­wi­ckelt. Das Augen­merk liegt dabei auf all­ge­mei­nen Fra­ge­stel­lun­gen. Die­se wer­den im Hin­blick auf Aspek­te der Ent­wick­lung von Schul­thea­ter und des Unter­richts­fachs Thea­ter / Dar­stel­len­des Spiel wei­ter­ver­ar­bei­tet. Der inhalt­li­che Schwer­punkt ist damit der ent­schei­den­de metho­di­sche Impuls für die Qua­li­fi­zie­rung der Schultheaterlandschaft.

Der wis­sen­schaft­li­che Fach­in­put in Form von Vor­trä­gen erfährt eine Ergän­zung durch einen Sach­dis­kurs im Rah­men von Fach­fo­ren. Die­se neh­men die Auf­füh­run­gen als Impuls, Mei­nun­gen aus­zu­tau­schen, Wahr­neh­mun­gen zu beschrei­ben, Ein­ord­nun­gen zu ver­su­chen, Ver­glei­che zu diskutieren.

Der Anspruch, das Schul­thea­ter fach­lich wei­ter­zu­brin­gen, hat bis heu­te erkenn­ba­re Fol­gen: Sowohl die Ver­stän­di­gung über Fach­pro­ble­me als auch die beab­sich­tig­te Ein­glie­de­rung des Thea­ters / Dar­stel­len­den Spiels in den Fächer­ka­non der Schu­len haben an Inten­si­tät und Qua­li­tät gewonnen.

Damit ist das Fes­ti­val „Schul­thea­ter der Län­der“ zu einem wesent­li­chen Bau­stein in der Fach­ent­wick­lung gewor­den: Es bie­tet den Theaterlehrer*innen an den Schu­len und den Leh­ren­den an den Uni­ver­si­tä­ten vor allem in den Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen Thea­ter / Dar­stel­len­des Spiel eine ein­zig­ar­ti­ge län­der­über­grei­fen­de Vernetzungsmöglichkeit.

Schul­thea­ter ist Län­der­sa­che – das Schul­thea­ter der Län­der ist gemein­sa­me Sache. Ein lei­ten­der Gedan­ke des SDL ist die Betei­li­gung der Bun­des­län­der auf ver­schie­de­nen Ebe­nen: aus den Län­dern in die Län­der. Es ist nicht nur kon­sti­tu­ie­rend, dass jedes Bun­des­land mit einer Grup­pe ver­tre­ten ist, wel­che die Impul­se des Tref­fens wei­ter trägt. Es ist eben­so wich­tig, dass die Fachtagungsteilnehmer*innen aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet anrei­sen, um Anstö­ße für die Ent­wick­lung des Faches, inhalt­li­che Anre­gun­gen für die Leh­rerfort- und ‑wei­ter­bil­dung zu erhal­ten und den Dia­log mit den Län­der­fes­ti­vals sicherzustellen.

Als Wan­der­tref­fen zeich­net in jedem Jahr ein ande­res Bun­des­land für die Orga­ni­sa­ti­on des Tref­fens ver­ant­wort­lich und nutzt die­se Ver­ant­wor­tung für die stär­ke­re Imple­men­tie­rung des Fachs Thea­ters und des Schul­thea­ters im Bewusst­sein der jewei­li­gen Lan­des­po­li­tik und Öffent­lich­keit. Die­se regio­na­le Kom­po­nen­te hat die inhalt­li­che und for­ma­le Berei­che­rung des SDL zur Folge.

Das SDL baut auf eine star­ke Part­ner­schaft: Der BVTS und der Lan­des­ver­band des gast­ge­ben­den Bun­des­lands orga­ni­sie­ren das Tref­fen koope­ra­tiv und nut­zen es für die Stär­kung des Thea­ters in der Schu­le auf den jewei­li­gen Ebe­nen. Dabei sind die Mit­glie­der des BVTS in die inhalt­li­che Aus­rich­tung des SDL ein­ge­bun­den. Durch die kon­ti­nu­ier­li­che För­de­rung der Kör­ber-Stif­tung sowie der Stif­tung Mer­ca­tor und deren Enga­ge­ment für Schul­thea­ter wur­de und wird das Akti­ons­feld des SDL erwei­tert. Die­se Part­ner­schaft setzt auch viel­fäl­ti­ge inhalt­li­che Impulse.

Mit der Inob­hut­nah­me des Schul­thea­ters der Län­der durch die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz ist nicht nur die finan­zi­el­le Grund­ver­sor­gung der Grup­pen und des Fes­ti­vals gesi­chert, son­dern auch die Aner­ken­nung als bun­des­wei­tes Arbeits­tref­fen. Mit dem Lan­des­ver­band vor Ort wer­den in der Regi­on Kräf­te akti­viert, die in ihrer Bin­nen- und Außen­wir­kung dazu bei­tra­gen, dass sich das föde­ra­le Prin­zip des SDL bewäh­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln kann. Part­ner hier­bei sind neben dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um und der aus- rich­ten­den Kom­mu­ne Schu­len, außer­schu­li­sche Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und Theater.

Das SDL ist in das Netz­werk der ver­schie­de­nen Jugend­thea­ter­fes­ti­vals ein­ge­bun­den, z. B. dem Thea­ter­tref­fen der Jugend und dem Tref­fen der Jugend­clubs an Thea­tern. Zwar setzt es sich zum Ziel, vor­ran­gig die fach­li­chen Bedürf­nis­se des Schul­thea­ters zu beach­ten, setzt aber zugleich immer auf die Begeg­nung und Öff­nung nach außen: durch pro­fes­sio­nel­le Gast­spie­le, durch die Ein­bin­dung vie­ler Pro­fes­sio­nen in die Fach­ta­gung, durch inhalt­li­che Schwer­punk­te etc.

Die lang­jäh­ri­ge Form der schrift­li­chen Doku­men­ta­ti­on wur­de im Jahr 2001 durch die Fach­pu­bli­ka­ti­on „Fokus Schul­thea­ter“ abge­löst, die bis 2013 in der edi­ti­on koer­ber, ab 2014 im Fried­rich-Ver­lag ver­öf­fent­licht wird. Ihre Ziel­grup­pen sind neben Theater-Lehrer*innen auch alle ande­ren inter­es­sier­ten Thea­ter­men­schen. „Fokus Schul­thea­ter“ ist eine Mischung theo­re­ti­scher Impul­se, didak­ti­scher Anre­gun­gen und direkt für den Unter­richt nutz­ba­rer Mate­ria­li­en und Spiel­vor­la­gen. Neben wis­sen­schaft­li­chen Bei­trä­gen zur Didak­tik und Pra­xis wer­den Ana­ly­sen sowie didak­tisch-metho­di­sche Ein­bli­cke in bei­spiel­haf­te Auf­füh­run­gen zum jewei­li­gen The­ma des Schul­thea­ter­fes­ti­vals gebo­ten. („Fokus Schul­thea­ter“ zu allen SDL-The­men ist zu bezie­hen über den Fried­rich-Ver­lag und den Thea­ter­buch­ver­sand). Ab 2020 wird der „Fokus Schul­thea­ter“ als mul­ti­me­dia­le Online- Publi­ka­ti­on im Insti­tut für digi­ta­les Ler­nen erscheinen.

Das SDL hat viel­leicht nie wirk­lich Kri­sen durch­schrit­ten, den­noch unter­liegt das Tref­fen einer Dyna­mik, will es den sich ver­än­dern­den Anfor­de­run­gen gewach­sen sein. Immer wie­der neue Grup­pen, neue The­men, neue Multiplikator*innen, neue Orte, neue Ideen, neue Her­aus­for­de­run­gen der Gesell­schaft, neue Erfah­run­gen, neue Rah­men­be­din­gun­gen erfor­dern die Balan­ce zwi­schen Kon­ti­nui­tät und Flexibilität.

Zur Wei­ter­ent­wick­lung des SDL wur­de 2015 eine SDL-Arbeits­grup­pe des Bun­des­ver­ban­des ein­ge­rich­tet, die die ein­zel­nen Ele­men­te des Fes­ti­vals auf den Prüf­stand stellt und sich Gedan­ken über eine Qua­li­täts­stei­ge­rung sowie über eine Ver­bes­se­rung des Mar­ke­tings macht.

Eine Neue­rung, die erst­ma­lig auf dem SDL 2017 in Bran­den­burg greift, betrifft den the­ma­ti­schen Schwer­punkt des Fes­ti­vals: Bewer­ben kön­nen sich alle Schul­thea­ter­grup­pen mit einer künst­le­risch über­zeu­gen­den Pro­duk­ti­on, unab­hän­gig von der The­men­set­zung des Fes­ti­vals. Bevor­zugt wer­den aller­dings Grup­pen, die sich mit dem the­ma­ti­schen Akzent (wie es jetzt heißt) aus­ein­an­der­ge­setzt haben.

Mit dem Ziel, die Qua­li­tät der Bei­trä­ge zu stei­gern, ist eben­falls ab 2017 eine Kon­zept­be­wer­bung ein vier­tel Jahr vor dem Bewer­bungs­schluss mög­lich. Die Grup­pen, deren Insze­nie­rungs­kon­zept für för­de­rungs­wür­dig erach­tet wird, erhal­ten die Mög­lich­keit, kos­ten­freie Unter­stüt­zung durch einen Thea­ter­ex­per­ten oder Thea­ter­coach zu erfahren.

Auf dem SDL 2018 in Kiel wur­de erst­ma­lig eine neue Fes­ti­val­struk­tur mit Par­al­lelauf­füh­run­gen aus­pro­biert, die zu einer Ent­schleu­ni­gung des Fes­ti­vals führ­te. Die­ser Wunsch nach Ent­schleu­ni­gung war von vie­len Festivalteilnehmer*innen – Schüler*innen wie Lehrer*innen – immer wie­der gestellt wor­den. Das Fazit nach dem Fes­ti­val zeig­te, dass eine Ent­schleu­ni­gung nach wie vor gewollt ist, aber an geeig­ne­ten Orga­ni­sa­ti­on­struk­tu­ren noch wei­ter gear­bei­tet wer­den muss.